Warum fragt Google nach deiner Telefonnummer? 4 Zwecke
Google fragt nach deiner Telefonnummer vor allem, um Spam-Registrierungen zu blockieren und dir einen Weg zurück in dein Konto zu geben. Googles eigene Seiten nennen noch zwei weitere Zwecke: anderen zu helfen, dich zu finden, und dir „relevantere Werbung“ zu zeigen. Nur die ersten beiden brauchen die Nummer wirklich. Die anderen kannst du abschalten, oder du fügst gar nicht erst eine Nummer hinzu.
Das ist die Kurzfassung. Die lange Fassung ist wichtig, weil Googles Einstellungen für jeden Zweck an verschiedenen Stellen liegen und einer davon weiterläuft, nachdem du glaubst, ihn abgeschaltet zu haben. Alles hier stammt aus Googles eigenen deutschen Seiten, geprüft am 1. November 2026.
Warum will Google bei der Kontoerstellung eine Telefonnummer?
Damit Spam-Konten teuer werden. Auf Googles Seite Konto bestätigen steht: „Um Sie zu schützen und Spammer aufzuhalten, ist manchmal eine telefonische Bestätigung erforderlich, bevor Sie ein Konto erstellen oder sich anmelden können. So können wir bestätigen, dass Sie eine echte Person sind.“
Die Prüfung per Telefon funktioniert, weil Telefonnummern knapp sind, E-Mail-Adressen aber nicht. Google legt zwei Grenzen obendrauf: „begrenzen wir die Anzahl der Konten, die sich mit einzelnen Telefonnummern erstellen lassen“, und „begrenzen wir die Häufigkeit, mit der eine Telefonnummer zur Bestätigung genutzt werden kann“. Wer Tausende Konten anlegen will, bräuchte Tausende Nummern.
Deshalb heißt es „manchmal“. Google fragt nicht alle, und Google veröffentlicht nicht, was die Prüfung auslöst. Wenn Google dich fragt, kommst du mit einem Anruf auf eine Festnetznummer, der Nummer einer Vertrauensperson oder einem Google-Konto für eine Adresse, die du schon hast, weiter.
Wofür Google deine Telefonnummer nutzt
Sobald eine Nummer in deinem Konto steht, kann sie mehr als die Spam-Prüfung. Googles Datenschutzerklärung, wirksam ab dem 16. Oktober 2026, sagt es klar: „Beispielsweise kann Ihre Telefonnummer dazu genutzt werden, Ihnen zu helfen, wieder auf Ihr Konto zugreifen zu können, wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben. Außerdem kann sie anderen Personen helfen, Sie zu finden und mit Ihnen Kontakt aufzunehmen. Schließlich kann sie verwendet werden, um für Sie relevantere Werbung einzublenden.“
Googles Hilfeseite zur Telefonnummer teilt das in einzelne Zwecke auf. Hier sind sie mit der Einstellung, die jeden steuert.
| Zweck | Was Google sagt | Wo du es steuerst |
|---|---|---|
| Anmeldung | „Anmeldung in Ihrem Konto an bestimmten Orten.“ | Sicherheit und Anmeldung, 2-Faktor-Authentifizierung |
| Wiederherstellung | „Wiederherstellung Ihres Kontos, wenn Sie Probleme mit der Anmeldung haben.“ | Sicherheit und Anmeldung, Telefonnummer zur Kontowiederherstellung |
| Kontakt | „Anderen helfen, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen“ | Persönliche Daten, Über mich (wer sie sieht) |
| Werbung und andere Dienste | „Mit dieser Einstellung kann Ihre Telefonnummer in allen Google-Diensten dazu verwendet werden, Ihnen relevantere Werbung zu zeigen.“ | Persönliche Daten, Telefon, „Bessere Werbung und Google-Dienste“ |
Ob deine Nummer zur letzten Gruppe gehört, siehst du so: Öffne dein Google-Konto, geh zu Persönliche Daten und dann zu Telefon. Steht neben „Verwendung“ der Eintrag „In allen Google-Diensten“, wird die Nummer in allen Google-Diensten genutzt, Werbung eingeschlossen.
Können Werbetreibende dich über deine Telefonnummer erreichen?
Ja, ohne sie je zu kaufen. Google Ads hat eine Funktion namens Kundenabgleich (Customer Match). Ein Werbetreibender lädt eine Liste mit E-Mail-Adressen und Telefonnummern seiner Kundschaft hoch, verschlüsselt zu Hash-Strings, und Google gleicht sie mit den eigenen Konten ab. In Googles eigenen Worten: „Die E-Mail-Adressen und Telefonnummern für Google-Konten sowie die zugehörigen Hash-Strings werden von Google verwaltet.“ Gibt es eine Übereinstimmung, wird das jeweilige Google-Konto der Zielgruppe des Werbetreibenden hinzugefügt.
Ein Shop, der deine Nummer schon hat, kann damit also dein Google-Konto finden und dir seine Werbung in der Google Suche, auf YouTube und in Gmail zeigen. Googles Seite sagt nicht, ob der Schalter „Bessere Werbung“ diesen Abgleich beeinflusst, also spekulieren wir auch nicht in die eine oder andere Richtung. Für die übrigen Werbeeinstellungen deines Kontos lies unseren Beitrag How to stop Google tracking you (auf Englisch).
Die Falle mit der Wiederherstellungsnummer
Viele löschen ihre Telefonnummer, um die Nutzung für Werbung zu stoppen, fügen sie dann als Telefonnummer zur Kontowiederherstellung wieder hinzu und gehen davon aus, dass sie jetzt nur noch dafür dient. Googles Seite zu den Wiederherstellungsoptionen enthält dazu zwei Warnungen:
- „Wenn Sie Ihre Telefonnummer zur Kontowiederherstellung löschen, wird sie möglicherweise weiterhin für andere Google-Dienste verwendet.“
- „Wenn Ihre Telefonnummer zur Kontowiederherstellung mit einer anderen Telefonnummer übereinstimmt, die Sie Ihrem Konto hinzugefügt haben, kann sie auch für andere Zwecke verwendet werden.“
Googles eigene Schritte, damit eine Nummer nicht mehr in allen Google-Diensten genutzt wird: Geh zum Bereich Telefon, wähl Löschen und dann Nummer entfernen, danach „Gehen Sie in Ihrem Google-Konto zum Bereich Telefonnummer zur Kontowiederherstellung und fügen Sie Ihre Nummer noch einmal hinzu.“ Prüf dann noch einmal Persönliche Daten, Telefon. Steht dort wieder „In allen Google-Diensten“, ist die Nummer noch an mehr als einer Stelle hinterlegt. Smartphones fügen Nummern außerdem selbst hinzu: Android bestätigt die Nummer des Geräts und fügt sie allen Google-Konten hinzu, die darauf angemeldet sind, außer du schaltest in der App Einstellungen unter Google, Alle Dienste die Bestätigung der Telefonnummer aus.
Wurde eine Sicherheitsnummer schon einmal für Werbung genutzt?
Ja, allerdings nicht von Google, soweit öffentlich bekannt ist. Zwei Fälle aus den USA sind der Präzedenzfall.
- Twitter, 2022. Die FTC erklärte, Twitter habe Nutzer gebeten, ihre Telefonnummern und E-Mail-Adressen zum Schutz ihrer Accounts anzugeben, und diese Daten dann Werbetreibenden für gezielte Werbung zur Verfügung gestellt. Mehr als 140 Millionen Nutzer gaben zwischen 2014 und 2019 ihre Nummer oder E-Mail-Adresse an. Twitter stimmte einer Strafe von 150 Millionen US-Dollar zu (FTC, 25. Mai 2022, auf Englisch).
- Facebook, 2019. In der Anordnung der FTC über 5 Milliarden US-Dollar hieß es, Facebook habe Nutzern gesagt, es erhebe Telefonnummern für eine Sicherheitsfunktion, aber „nicht offengelegt, dass es diese Nummern auch für Werbezwecke nutzte“. Die Praxis wurde verboten (FTC, 24. Juli 2019).
Eine begutachtete Studie von 2019 hatte das bereits gezeigt: Telefonnummern, die „für Sicherheitszwecke wie die Zwei-Faktor-Authentifizierung angegeben“ wurden, ließen sich nutzen, um Werbung gezielt an Nutzer auszuspielen, selbst wenn alle relevanten Datenschutzeinstellungen der Testkonten der Forschenden auf die privateste Option gestellt waren (Venkatadri et al., PoPETs 2019, auf Englisch).
Die Lehre daraus ist nicht, dass Google das tut. Sondern dass „wir brauchen sie für die Sicherheit“ und „wir nutzen sie für Werbung“ in derselben Datenbank stehen können und dazwischen nur eine Einstellung oder ein Versprechen liegt.
Ist es sicher, Google deine Telefonnummer zu geben?
Das hängt davon ab, was die Nummer in deinem Konto tut. Drei Risiken solltest du abwägen.
SIM-Swapping. Wenn du dich mit deiner Nummer anmeldest oder dein Konto damit wiederherstellst, hat jeder, der die Nummer kontrolliert, einen Weg hinein. Beim SIM-Swapping überredet eine kriminelle Person deinen Mobilfunkanbieter, deine Nummer auf ihre SIM-Karte zu übertragen. Das Internet Crime Complaint Center (auf Englisch) des FBI erhielt 2021 insgesamt 1.611 Beschwerden wegen SIM-Swapping mit Verlusten von mehr als 68 Millionen US-Dollar, nach 320 Beschwerden in den Jahren 2018 bis 2020 zusammen. Die US-Behörde FCC hat im November 2023 Regeln beschlossen, nach denen US-Mobilfunkanbieter ihre Kundschaft prüfen müssen, bevor sie eine Nummer übertragen, und sie über SIM-Wechsel informieren müssen. Microsoft sagt seinen Nutzern inzwischen: „Die SMS-basierte Authentifizierung ist jetzt eine führende Betrugsquelle“, und „Die SMS-Authentifizierung ist anfällig für Phishing- und SIM-Swap-Angriffe“ (Microsoft Support).
Verknüpfung. Deine E-Mail-Adresse kannst du in einer Minute ändern. Deine Telefonnummer begleitet dich meist über Jahre, bei deiner Bank, deiner Ärztin, deinen Shops und deinen Messengern. Jedes Konto, in dem sie steht, ist ein weiterer Ort, der sich mit den anderen abgleichen lässt.
Wiedervergabe von Nummern. Mobilfunkanbieter vergeben Nummern neu. Microsoft warnt, dass Mobilfunkanbieter Telefonnummern nach 30 Tagen wiederverwenden können. Eine Nummer, die du vor Jahren aufgegeben hast, gehört heute vielleicht einer fremden Person, die deine Codes empfangen kann.
Ein vernünftiger Mittelweg: Wenn du Google eine Nummer gibst, nutze sie nur zur Wiederherstellung, schalte „Bessere Werbung und Google-Dienste“ aus und stell die Anmeldung auf etwas um, das nicht von SMS abhängt. Unser Beitrag Is two-factor authentication safe (auf Englisch) vergleicht die Optionen.
Warum fragen andere E-Mail-Anbieter nach deiner Telefonnummer?
Meist aus denselben zwei Gründen: Spam-Prüfung und Wiederherstellung.
| Anbieter | Telefonnummer bei der Registrierung | Grund, den der Anbieter nennt | Gut zu wissen |
|---|---|---|---|
| Optional, aber „manchmal“ erforderlich | „So können wir bestätigen, dass Sie eine echte Person sind.“ | Kann auch für Werbung genutzt werden, wenn du das nicht abschaltest | |
| Yahoo | Als erforderliche Angabe aufgeführt | „Für den Bestätigungs- und Account-Wiederherstellungsvorgang ist eine gültige Handynummer erforderlich.“ | Yahoo führt die Handynummer zusammen mit den anderen Pflichtangaben für die Registrierung auf |
| Microsoft | Je nach Konto unterschiedlich | Bestätigung und Wiederherstellung | Eine Telefonnummer lässt sich nur einem einzigen Microsoft-Konto hinzufügen. SMS-Codes werden für persönliche Konten abgeschafft |
Ein Naturgesetz ist das alles nicht. Ein Anbieter kann Spam auch mit anderen Prüfungen bekämpfen und die Wiederherstellung über etwas lösen, das du selbst aufbewahrst. Als wir Secria gebaut haben, haben wir die Telefonnummer bei der Registrierung ganz weggelassen: Du gibst einen Namen, die gewünschte Adresse und ein Passwort an, und die Wiederherstellung läuft über eine Wiederherstellungsphrase aus 12 Wörtern. Mehr dazu und dazu, welche Anbieter fragen, findest du auf unserer Seite zu E-Mail ohne Handynummer.
Häufige Fragen
Warum fragt Google immer wieder nach meiner Telefonnummer?
Laut Googles Seite zur Bestätigung ist eine telefonische Bestätigung manchmal erforderlich, „bevor Sie ein Konto erstellen oder sich anmelden können“. Die Frage kann also auch bei der Anmeldung wiederkommen, nicht nur bei der Registrierung. Steht schon eine Nummer in deinem Konto, schreibt Google: „Aus Sicherheitsgründen wiederholen wir diese Prüfung gelegentlich, um sicherzustellen, dass die Telefonnummer nach wie vor Ihnen gehört.“ Unter Android kann das Smartphone deine Nummer außerdem automatisch bestätigen.
Was passiert, wenn ich Google meine Telefonnummer nicht gebe?
Bei den meisten Konten funktioniert alles weiter. Du kannst Gmail und andere Google-Dienste trotzdem nutzen. Der Preis ist die Wiederherstellung: Ohne Telefon verlässt du dich auf eine E-Mail-Adresse zur Wiederherstellung, Back-up-Codes oder einen Kontakt für die Kontowiederherstellung, also richte die ein, bevor du sie brauchst. Wenn du noch auf dem Registrierungsbildschirm stehst, zeigt dir unser Beitrag Gmail-Konto ohne Handynummer erstellen deine Möglichkeiten.
Sieht Google meine Telefonnummer, wenn ich mich auf meinem Smartphone anmelde?
Unter Android standardmäßig ja. Laut Googles Android-Hilfe ist die Bestätigung der Telefonnummer standardmäßig aktiviert, und die bestätigten Nummern des Geräts werden allen Google-Konten hinzugefügt, die darauf angemeldet sind. Ausschalten kannst du das unter Einstellungen, Google, Alle Dienste, „Datenschutz & Sicherheit“.
Wird meine Telefonnummer überall gelöscht, wenn ich sie bei Google entferne?
Nicht immer. Google warnt, dass eine gelöschte Wiederherstellungsnummer „möglicherweise weiterhin für andere Google-Dienste verwendet“ wird. Prüf danach den Bereich Telefon in deinem Konto und entferne die Nummer aus einzelnen Diensten wie Google Pay oder Kalender, wenn sie dort auftaucht.
Eine Telefonnummer gehört zu den dauerhaftesten Dingen, die du einem Unternehmen geben kannst. Wenn dein E-Mail-Anbieter sie lieber nie bekommen soll: Ein kostenloses Secria-Postfach braucht einen Namen, eine Adresse und ein Passwort, aber keine Telefonnummer.
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